GSM-Netz nicht mehr sicher

04.01.2010 GSM-Netz nicht mehr sicher

Der Hamburger Chaos Computer Club (CCC) hatte sich am Wochenende mit dem Thema „Knacken der GSM-Verschlüsselung“ beschäftigt. Ein deutscher Computer-Experte hielt auf einer Veranstaltung des CCC einen Vortrag über dieses Thema, denn Handys könnten mit einfachen Mitteln abgehört werden. Diesbezüglich fordert der Chaos Computer Club die Mobilfunkindustrie auf, die Verschlüsselungsstandards im GSM-Netz zu überarbeiten. Zum Entschlüsseln und Abhören bräuchte man lediglich die entsprechende, im Internet erhältliche, Software und einen handelsüblichen PC. Es sei auch zu beachten, dass es hier nicht mehr nur ums Abhören der Telefonate geht, sondern auch um das Mitlesen von Banktransaktionen, Überweisungen, Zahlung von Waren oder die Eingabe von Zutrittscodes, welche heutzutage mit dem Handy getätigt werden können.

Das gleiche gelte für die schnurlosen Telefone daheim. Der weitverbreitete DECT-Standard (Digital Enhanced Cordless Telecommunication) sei laut CCC geknackt worden. Der neugierige Nachbar könne nun unbemerkte Lauschangriffe starten.
Auch der Karlsruher Computer-Sicherheitsexperte Christoph Fischer bestätigte diese Sicherheitslücke. Er wies jedoch darauf hin, dass es problematisch sei, eine weltweit bestehende technische Infrastruktur kurzfristig auszutauschen.

Die GSMA (Industrievereinigung der GSM-Mobilfunkanbieter) hingegen weist die Vorwürfe als übertrieben zurück. Eine Sprecherin teilte jedoch dem Branchendienst eWeek mit, dass der Austausch der gegenwärtigen Sicherheitsstandards geplant sei.
Die BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Medien) wies darauf hin, dass sich bislang keine Sicherheitslücken gezeigt hätten. Die Hackerszene versuche sich seit Jahren an der GSM-Verschlüsselung. Es gäbe jedoch bis zum heutigen Tage keine Beweise dafür, dass der Code geknackt worden sei. BITKOM-Sprecher Christian Spahr teilte außerdem mit, dass das Thema nicht neu sei. Theoretisch wäre es möglich, die Verschlüsselung zu knacken. Es könnten jedoch höchstens einzelne Gesprächsfetzen mitgehört werden. Außerdem verfüge Deutschland über einen fast flächendeckenden UMTS-Standard. Und die Datenübertragung im GSM-Netz erfolge über den separaten GPRS-Standard, der vor Hackerangriffen sicher sei.

Grafik: CCC